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Scene Wien
Auszüge einer Nacht
Lukys Bio E-Mails an LUKY:
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Wie alles wieder begann!Es war einmal ein kleiner Junge, der saß zu Hause im Wohnzimmer und machte furchtbaren Lärm. Nicht auszuhalten. Mutters Küchenschränke waren geleert, Omas Waschküche fehlte das Blechlavoir und die eiserne Kinderbadewanne, die Waschtrommeln wurden sofort konfisziert, sobald das Pulver seinen Weg in die Waschmaschine gefunden hatte, manchmal auch woanders hin, in den Mistkübel oder sogar ins Blumenbeet z.B., was den Blumen sehr gut getan hat, wie Ihr Euch denken könnt. Das wurde dann Ersatzbeschaffung genannt. Alles, wirklich alles, was nur nach irgend etwas klang, war da im Wohnzimmer aufgebaut und wurde in einem furiosen Wahn beinhart gequält, eiskalt zerstört, mit einer für ein Kind einfach unglaublichen Power bearbeitet mit allem, was nur nach Schlagstock aussah. Von Mamas Kochlöffeln über ihre Schöpfkellen und langen Schuhschlüpfern fand da alles Verwendung. Und Lukys liebe Schlagzeugerfreunde aus den alten Zeiten brachten ihre Reservesticks gleich in Sicherheit, wenn sie das verschmitzte Grinsen im Gesicht von seinem Sohn Alvin auch nur irgendwo um die Ecke lugen sahen, der seinen Namen von einem Gitarrengott abbekommen hatte, eh schon wissen, es ging nicht anders, andere Namen standen nie zur Debatte. Irgendwann hat sich dann das Christkind des unerträglichen Zustands erbarmt und im Keller von Lukys Haus eine geile Premiermaschine mit allem Drum und Dran direkt aus Ric Lees Traumhimmel hinterlassen.
Endlich konnte man wieder den Sonntagnachmittag genießen und ungestört Formel 1 schauen. Ganz leise dröhnte es zwar noch aus dem Untergeschoss, aber das ließ sich aushalten. Und dann kam irgendwann der Tag, an dem der steilste Rock-Blueser der Neuzeit im großen Hörsaal der Uni Linz sein Gastspiel gab. Ich saß mit Luky und dem kleinen 12-jährigen Alvin natürlich in der ersten Reihe und wir staunten uns einen ab, wie und wo der große LUTHER ALLISON seine Tönchen hervorholte. Luky ist dann irgendwann auf ein Bierchen gegangen, weil sein Durst immer größer wurde, soll ja vorkommen. Außerdem stand draußen an der Bar eine süße gerade gewachsene Studentin, mit allem Drum und Dran, wie sich das halt so gehört. Irgendwann gegen Ende des Gigs stieg Luther, wie er das bei seinen Konzerten immer macht, von der Bühne herunter und spielte ein herzzerweichendes Gitarrensolo vor ein paar hübschen Girls, die gleich ganz aufgelöst waren. Die wären alle gleich mit Luther unter die Decke gestiegen, das dürft Ihr mir glauben. Ich habe das denen angesehen. Eine irre Gitarre, die da von Lust und Liebe, schärfstem Sex und zärtlichsten Zärtlichkeiten heulte, und schwarz war sie auch noch dazu. Da fangen die weiblichen, immer stark unterversorgten Unterleiber zum Träumen an. Echt, ich habe das oft genug selbst miterlebt. Die Halle brodelte also lichterloh, die Köpfe in der Bude standen in rot-orange-gelben Feuerzungen, ich habe die Flammen gesehen, und die Leute stampften den dahinrasenden Rhythmus und gingen voll und ganz mit. Der Bluesrock wummerte über die Hörsaalwände, die Bassläufe rumorten in den Eingeweiden und einigen Tänzern, die wie verrückt mitgeigten, tropfte der Schweiß in wahren Schwaden von den Nasenspitzen. Ekelhaft, brrrh, aber geil, haha. Die französische Spitzenband (der wahrhaft himmlische Fast Frank Rabaste an der Leadgitarre, Zox am Bass, Michael Carras an Keybord und Orgel und ich weiß nicht mehr, wer, am Schlagzeug) kochte auf der Bühne ihr würziges Tönesüppchen weiter. Little-Alvin neben mir brach sich in wildesten Verrenkungen einen ab. Er hatte nur noch den Drummer im Auge und vollführte mit seinen Händen einen wahren Veitstanz. Er hatte vor seinem geistigen Auge ein Schlagzeug aufgebaut und ermordete es. Ich musste dauernd aufpassen, dass er mich nicht mit dem Snaredrum verwechselte, hielt also ein wenig Abstand. Irgendwann hat das dann auch Luther Allison mitbekommen. Er hat ihn zuvor schon einige Male mit seinen so gütigen, väterlichen Liebesaugen beobachtet und ihm manchen verstehenden Blick zugeworfen. Luther sah nun diesen zarten, kleinen "Springinsfeld" sich da einen abgurken und er fühlte die wahre Liebe zu seiner Musik, die in dem Kleinen tief und ganz heiß brannte. Da löste sich Luther auf einmal aus seiner weiblichen Umzingelung und spielte sich zu mir und Alvin her. Er kam bis auf einen Meter zu uns heran, lachte den Kleinen an und entlockte seiner blauen Stratocaster mehrere "I love you, baby!" Wer Luther noch erlebt hat, weiß, dass ich nicht lüge. Der hat das immer so gemacht und der konnte wirklich mit seinem Instrument "sprechen". Mitten da hinein schrie ich über die laute Musik hinweg zu Luther: "Hey, this little boy is a very, very good drumman!" Darauf Luther: "Oh yeah, come!" Er sagte sonst nichts, schnappt Alvin am Pulli und zerrt ihn auf die Bühne, verjagt seinen Schlagzeuger und der Junge steigt mitten in der Nummer ein, als hätte er noch nie etwas anderes getan. So viel Schneid hat wirklich nur ein Kind. Ich hätte mich glatt ange....., eh schon wissen. Luky steht also während bei uns die Hölle los war, da draußen an der Bar und machte gerade die süße Studentin an, die hinterm Tresen stand, da kommt ihm auf einmal, dass da irgend etwas nicht mehr stimmt, mit dem Sound. Da sitzt jemand anders hinter den Stöcken. Als Musiker hat man das ja im Gefühl. Auf einmal überkommt es ihn heiß. Verdammt, da spielt sein Junge. 12 Jahre alt und hinter der Schießbude vom Großen Luther. So schnell hat er noch nie eine Studentin und ein gutes Bierchen vergessen, das könnt Ihr mir glauben. Ab und zurück in den Saal und wirklich, da sitzt der kleine Halunke so halb schräg auf dem viel zu hohen Hocker, gerade dass er mit seinen Füßen zu den Pedalen reicht und fährt wie ein Derwisch mit den Sticks über Becken und Snare. Herz halt durch. Schmerz lass nach. Zum Glück hat er halbwegs eine gesunde Pumpe.
Nun, so hat also alles wieder angefangen. Im April 1986. Sein Sohn Alvin (genannt nach Lukys großem Idol und Freund Alvin Lee) war zu einem 12-jährigen Knaben heran gereift, der über ein unglaubliches musikalisches Talent und ein gewaltiges Schlagzeugerpotential verfügte. Zuerst rockten Vater und Sohn alleine im hauseigenen Kellerstudio. LUKY hatte eigentlich vom österreichischen Rock- und Bluesbusiness die Nase voll. Der Disco ist hier zu Hause, für guten Rock und Blues findet man hier kaum ein offenes Ohr, zumindest sind es zu wenige, um davon halbwegs leben zu können und der Neid hier im Geschäft ist ja überdimensional, da wird um jeden Meter Bühne ohne Skrupel gekämpft. Aber er hat sich dann gedacht, mit dieser Trommelmaschine aus eigenem Haus und ein paar guten Jungs könnte es vielleicht doch wieder gehen. Also fing er an zu suchen, und da lief ihm ein junger Gitarrero über den Weg, der wiederum einen Bassisten kannte. Er lud sie in das winzige, zu einem Proberaum ausgebaute Kellerloch in seinem Haus und sie fingen an, sich erst einmal abzutasten. Die Chemie stimmte gleich. Und als sie dann auch noch einen Tastenmann fanden, stand nach einem halben Jahr Klausur der erste Gig. Das erste Luky Schrempf Band - Album "Her mit dem Computer" war zu präsentieren. Auf der Longrille mit dabei als internationale Gäste waren TOM COMPTON (Ex - Alvin Lee Band - Drummer, später dann in der Band vom großen Johnny Winter) und der Meister aller Klassen himself: Mr. Alvin Lee. Auf der Scheibe findet sich eine bunte Mischung aus Blues-, Rock- und Jazzeinflüssen. Mit "Späte Erfüllung", "Dem scheuen Ferdi", dem heraus ragenden Hendrix-Klassiker "Hey Joe" im breiten Mundartslang des Hörschinger Rockoriginals, der "Horrornacht" (Dreckfotzenfritz), und einigen anderen mehr, stand zusammen mit einigen alten Wild Dogs - Hadern auch verdammt gutes, powervolles Songmaterial zur Verfügung. Die Kritiken waren hervorragend. Im Mai 1987 feierte die LUKY SCHREMPF BAND dann im Alten Schlachthof in Wels einen fulminanten Start. Luky war so geil auf die frische Bühnenluft, dass alle Anwesenden angesteckt wurden. So wurde der Auftritt zu einem erfolgreichen Comeback und auch die Presse zeigte sich sehr wohlwollend und beeindruckt, vor allem vom Können des erst 13-jährigen Drummers Alvin Schrempf. Und viele weitere Live-Höhepunkte sollten noch folgen. Luky Schrempf: guitar, leadvocal Ideal war natürlich, dass der Martin in Rufling gerade sein Ruf-Studio eingerichtet hatte. Dort ging dann gleich die Post ab. So manche langweiligen Abende der letzten 4 Jahre, waren nun vorbei. Wenn ich mal nicht wusste, wohin und was anreißen, war Bandprobe mit Luky angesagt. Und es war wirklich ne echte Freude mit diesen Jungs zu geigen und vor allem zu sehen, wie sich Alvin an der Schießbude entwickelte. So schnell, dass man nur staunen konnte. Man musste ihm kaum etwas sagen, er hatte völlige Freiheit und hat sie auch genützt.
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