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Scene Wien
Auszüge einer Nacht
Lukys Bio E-Mails an LUKY:
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Nacht der NächteHeute Nacht war ich wieder einmal mit den "Wahnsinnigen" aus "Hirntod oder Hirnlos" unterwegs. Aber ohne Luky. Dafür war Margit B. dabei. Eine süße, ulkige 18-jährige, die sich mein kleines Brüderchen unter den Nagel gerissen hatte. Alvin spielte mit seinen Doktoren in Ottensheim im Donauhof. Nicht im Altersheim. Wer mal gut speisen will und wem Linz schon zum Hals raus hängt und wer nebenbei die guten alten Stones, Beatles, Dire Straits & Co. hören will, ist dort gut auf gehoben. Riesenpizza, eine offene, saubere und einladende Küche, in der man die Köche und die Kellner emsig hin und her wuseln sieht. Der Duft zieht durchs Haus, grandios. Jedenfalls war zuerst nicht viel los. Die Leute alle in den Speisesälchen beim die Bäuche voll rammen. Die Band spielte in einem kleinen Schlurf, in dem sonst wohl ein Speisetisch für sechs Personen steht. Ließ sich nicht gerade gut an, die Sache. War alleine unterwegs, mit meinem Bruder und obiger Margit. Obiger. Scheiß Juristendeutsch, oder Amtsdeutsch, wie ich mich diese Woche aufklären ließ. Bei uns im AMS läuft nämlich gerade der wichtigste Workshop des Jahres, einer von ca. 300 pro Jahr, AMS-Klipp&Klar. Weg mit der Behördensprache. Bürgernähe ist angesagt. Bescheide haben hinkünftig wie Liebesbriefe zu klingen. Wenn ich ehrlich sein will, ich verstehe das ganze Zeugs, das ich da verfasse, an Bescheiden, Stellungnahmen zu Beschwerden an den Verwaltungs- oder Verfassungsgerichtshof, und so weiter, oft selber nicht. Ihr wisst wahrscheinlich nicht, was ich meine, aber "obiger" ist so ne Amtsdeutsch-Geschichte und heute tatsächlich nicht mehr zeitgemäß. Verdammt, der vorletzte Satz war dafür glatt zu lang. Muss mich wohl ein wenig zusammen reißen. Für Euch, damit mir nur ja keine/r geistig aussteigt. Aber die feminine Schreibweise lasse ich hinkünftig, sonst wird es für mich zu kompliziert. Die Mädels unter Euch müssen halt umdenken. Seid hoffe ich nüchterner als ich. Mann, bin ich zu. Blauer Van Nelle, eine Gerollte nach der anderen. Ein paar Halbe, zwei Tequila, sechs oder sieben Achterl Welschriesling, und ich weiß nicht mehr wie viele Bacardi-Cola. Und wie gesagt, der blaue Van Nelle. Mann, bin ich zu. Und das Hirn voller Irrgärten, die auf einen warten und aus denen man verzweifelt versucht, heraus zu finden. Wahnsinn pur. Echt. Ihr habt ja alle keine Ahnung, wie das ist, wenn das Hirn überkocht und niemand davon etwas wissen will. Habt Ihr überhaupt die Geschichte, von der Ihr gerade kommt, schon gelesen? Haah? Hirntod oder Hirnlos, das ist hier die Devise! Und die Frage?! Bei mir läuft gerade der Country-Hardrock "Back where it all begins" von den Allman Brothers. Freue mich schon auf "Soulshine". Ihr habt ja alle keine Ahnung! Das Hirn voller originellster Irrsinnigkeiten und keiner hört hin. Da muss man ja saufen. Habe mir übrigens jetzt eine Dose Red Bull aufgemacht, ein Eiswürferl im Glas und einen Schuss Whiskey. Und es ist wieder einmal halb fünf in der Früh. Nur damit Ihr wisst, um was es geht. Also ich war da wieder einmal schwer unterwegs. "Good music" mit den "Docteurs" aus Linz. Nummern von den Stones, besser als auf deren Platten. Echt. Und alles in einer mehr oder weniger "Speisehütte". Ne Bar dazwischen. Kleine Tanzfläche. Und gleich zu Beginn eine Nummer dabei, bei der ich zehn Jahre lang heim gegangen bin, wenn sie irgendwo gespielt wurde. Neben "In memory of Elizabeth Reed" war das unsere Lieblingsnummer. Aber das ist wieder eine andere Geschichte ("Tänzerinnenschlank. Eine Reise zurück ins Leben." Mein neues Buch. Eine verdammt schöne Liebesgeschichte, mit allem Drum und Dran. Auch für Jungs, zumindest gegen Ende. Kommt als Online-Buch nach Weihnachten ins Netz. Also besucht mich mal wieder.) Nun ja, ich bin da also wieder einmal voll high. Dieser zu viele Alkohol. Manchmal setzt er mir doch glatt total zu. Manchmal. Die Band also voll drauf auf den Stones, Credence, Steve Miller und so. Rockdrive. Es fährt. Und mein Lieblingsdrummer gibt Vollgas. Die Speisehütte fängt langsam an zu kochen. Zumindest trifft das auf mich zu. Ich shakere mit Margit, nettes Mädel. Ich hoffe, mein Bruder weiß sie zu würdigen. Kennt sie ja erst seit Dienstag. Habe viel mit ihr zu Lachen. Mit der kann man so richtig schön doof und gleichzeitig super intelligent shakern. So die ganze Bandbreite des Lebens auf und ab. Sie will mir eine kurzhaarige, dürre Brillenstange mit nettem Gesicht einreden, die gegenüber sitzt und schwer an mir interessiert ist. Ich meine, was mach ich dann aber wieder, wenn ich die Bienenstiche in- und auswendig kenne. Dann träume ich wieder von Hornissenverletzungen im Brustbereich und so. Also lasse ich es besser. Verlorene Zeit. suche ja etwas für alle Ewigkeiten. Und zu der Zeit war der Abend ja noch jung. Wer weiß, was noch passiert. Ich bin halt ein ziemlicher Fetischist. Pfui Teifi. Also kurze Sätze sind angesagt. "AMS-Klipp&Klar". Ihr versteht? Wohl nicht. Bürgernähe. Der Bürger soll die Antwort der Behörde auch verstehen können. Wenn er schon nicht das kriegt, was er möchte. Wenigstens das eine soll er haben. Er soll auch wissen, wieso oder wieso nicht. Mann, ich bin wieder einmal so weit, dass ich vier Geschichten gleichzeitig erzähle. Wie in "Hirntod". Nein, heute wird es schlimmer. Viel, viel schlimmer. Was ich alles im Kopf rotieren habe. (Keine Fremdwörter.) Das muss heute alles raus. Mal sehen, ob es sich wieder ausgeht. Wie in "Hirntod oder Hirnlos". Da war ich auch so drauf. Voll zu, den Kopf voll inniglich in sich selbst verschlungener Hirngespinste. Mehrere Geschichten, die wild durcheinander fuhrwerken, absolut nichts miteinander zu tun haben und doch zusammen gehören. (Das war jetzt zu lang.) Ich hatte damals bis zum Schluss Angst, dass es sich nicht ausgehen könnte. Aber dann fanden doch alle Geschichten zu ihrem gerechten Ende. Wir werden sehen. Also: Resümee. (Fremdwort!) Achtung! "AMS-Klipp&Klar". Also: Keine Fremdwörter, keine Fachbegriffe, kein Amtsdeutsch, keine langen Sätze und alles schön rund. Alles schön kurz und bündig. Damit nur ja alle Alles verstehen. Dann wird es sich schon wieder irgendwie ausgehen. Und Ottensheim, Donauhof, "The Docteurs", Alvin, Gerry, Margit, ich und ein Haufen Speisender oder Ausgespeister. Seid Ihr auch alle wieder da? Oder noch? Und der Rock ´n´ Roll der Stones und so. Irgendwann gehen wir dann an die Bar. Ich gut drauf. Eine großartige Idiotie bzw. Hirnlosigkeit verfolgt die andere. Margit lacht sich einen ab. Hübsches Mädel. Echt. Alles dran. Holz vor der Hütte, würden manche wohl sagen, so wie es sich gehört. Könnte einen glatt der Neid fressen. Und ein nettes Lachen. Nicht gelogen, Ihr versteht? Kommt gut und ehrlich rüber. Steht doch da in einer Ecke neben der Bar eine Kiste mit Spielsachen. Die Verrücktheit juckt. Ich frage Margit: Was wohl die Leute sagen würden, wenn ich mich da jetzt mitten auf die kleine Tanzfläche setze, die Spielsachen auspacke, die Beine spreize und anfange, Türmchen zu bauen? Sie lacht, husst mich auf, so in der Art: Traust dich ja eh nicht! Das hätte sie nicht sagen dürfen. Haha. Aber vorher muss ich Euch noch eine andere Geschichte erzählen. Kurz zuvor war ich nämlich auf dem Klo. Erleichterung war angesagt. Steht da neben mir doch so ein schmalbrüstiges Bürschchen. Eine Zaunlatte von einem zukünftigen Mann. So um die 18, noch nicht beim Heer, abstehende Ohren. Stoppelfrisur. Sah so ähnlich aus, wie der deutsche Schauspieler in "Stalingrad". Macht der neben mir doch glatt "Püiep". Denke mir, den kann ich jetzt aber nicht so ohne Lehre weg gehen lassen. Der denkt doch glatt, er wäre der Chef. Also ich drücke. Ihr müsst wissen, ich war seit Donnerstag unterwegs, heute ist Samstag, der 9. Dezember 2000. Also der Körper voller Zeitvertreiber, viel Van Nelle, und abends hatte ich noch Mamas Satgarasch verdrückt. Reis, Pute, viel Paprika, Porree und Zwiebel. Nachgeschärft, so wie ich es liebe. Das rumorte gerade. Ich drücke also, nur ganz, ganz leicht. Wirklich, mit Gefühl. Soll ja nicht gleich in die Hose gehen. Da spüre ich im letzten Augenblick, also wirklich in der allerletzten Milliardstelsekunde, dass da ne Hiroshimabombe heran braust. Es macht "bpprrrp". Die Fliesen wackeln. Das Echo wie ein Pistolenschuss auf kleinem Raum. Das Bürscherl zuckt. Sagt aber nichts. Ich habe ja bei seinem auch nichts gesagt. Ich sehe aus den Augenwinkeln, wie er ihn abbeutelt. Schnell. Rein in den Schlitz. Hosentürl zu. Nicht mal richtig abbeuteln tut er ihn, das Schweinchen. Da wird Mama wieder ihre Freude haben, wenn sie seine Unterhose wäscht. Alles wieder einmal gelb, wie beim Prostata-Opa. Und soll noch einmal einer sagen, nur die Leisen, die, die keiner hört, hätten es in sich. Er hat noch ein Näschen mit ins Lokal genommen. Ab, zisch, weg war er. Aah, gut. Früher hätte ich "Maurerschoaß" gesagt. Irre. Eins A mal Milliarden. Gehört ins Kino, der Duft, bei vollem Haus. Eins A. Und keiner weiß, wieso und wer. Diese Über-drüber-mal-Milliarden-Einzigartigkeiten auf Gottes Erdball liebe ich. (Mist. Ein Fachbegriff des Lebens. Weg mit ihm? Nein. Letzte Woche hätte ich mir auch noch nichts dabei gedacht. Dieser AMS-Klipp&Klar-Workshop haut mir meine ganze Schreibe zusammen. Das kann ja noch heiter werden, wenn ich mal ein Klipp&Klar-Profi bin.) Wie gesagt, ich liebe diese Einzigartigkeiten. Darum kann ich auch die Gleichmacherei-Ideologie der Multikulti- und Sozitypen nicht ausstehen. Das ist eine einzige Nach-Unten-Nivelliererei. Nur damit mich jetzt nicht jemand falsch versteht, ich habe sonst nichts gegen diesen Multikultikult oder gegen Sozialität. Ich liebe ja die Vielseitigkeit unseres Lebens. Und manchen Leuten muss man halt ein ganzes Leben lang ein wenig durchs Leben helfen, da wird sich nie was dran ändern. Aber diese Typen wollen neben Ihren ansonsten guten Ansichten auch gleich immer, dass man alle und jeden gleich behandelt. Das geht aber gar nicht, weil halt ein jeder ein wenig anders ist, als der andere. Gott sei´s gedankt. Stellt Euch das mal vor, und alle wären gleich, dann hätte mein Buji womöglich auch die selbe Duftnote von dem Bürscherl gehabt. Der hätte dann womöglich gemeint, es wäre sein eigener. Der wäre dann auch womöglich noch geblieben. Eine Katastrophe. Der Geschichte hier hätte dann einfach der Pep gefehlt. Ja, dann wäre es wohl gar so, dass sich jedes Geschichterlschreiben erübrigen würde. Mann, das müsst Ihr Euch mal vorstellen. Eine echte Katastrophe. Ich hätte den ganzen Tag und die ganze Nacht über nichts zu tun. Also denkt in Zukunft ein wenig darüber nach, was Ihr daher plappert. OK?
Nun ja, diese Geschichte war damals leider jedenfalls gerade schon vorbei und wir befanden uns auf der Heimreise. Ein langes Wochenende voll ungarischer Küche, viel Paprika und Pfeffer, Knoblauch. Und der Alk und die Zigaretten. Kein Schlaf. Und viel Liebe und Tanz und Schwitzing davon. Wir kamen gerade Richtung Grenze und wussten gleich, dass wir zu Hause waren. Es begann zu regnen. Es lebe unser Österreich. Kommt gleich nach Sauland. Was den Regen anbelangt. (Das ist eine Insel im Atlantik, war früher einmal eine Weltmacht.) Da macht es doch glatt hinten rechts "Püiep". Ganz zart, fein schrill gepresst. Gerade noch zum Hören. Samt Musik. Das Gebläse war auf Stufe zwei, wegen dem Scheibenanlauf. Draußen schüttete es in Eimern, oder wie man halt so sagt. Der Duft war sofort vorne beim Lenkrad. Ich war der Fahrer. War immer der Einzige, der im Suff normal fahren konnte. Habe x Kontrollen so überstanden, mit meinem Amts-Outfit. Habe es immer gehasst. Hätte gerne so ausgesehen, wie George Harrison Anfang der Siebziger. Langes dunkles Haar, Viertagebart und ohne Brille. Jeder muss halt mit seinem Ego leben. In letzter Zeit bin ich endlich so halbwegs mit ihm zusammen gewachsen. Hat sowieso viel zu lange gedauert. Bin jetzt satte 43. Also der Duft kommt zu uns nach vorne. He. hinter mir schläft. Noch. Gü. zu Ha.: "Sau." Ha.: "Wenn´s so druckt. Und das war erst der Erste." Ich: "Sau." Ha.: "Selber Sau." Er wusste schon, was kam. "Bpprrrp." Schön der Reihe nach zum Lesen. Genau so, wie es da geschrieben steht. Zuerst ein weiches B, dann erst das harte P. Noch ein hartes Petscherl. Und dann ein mächtiges Dreifach-R, könnten auch mehr gewesen sein, und dann wieder das harte Petscherl. Das ist die detaillierte Beschreibung dieses Tones. (Schon wieder ein Fremdwort!) Das war kein bloßes "Tönchen" mehr. Nein, nein. Ein ausgewachsener, über alles hinaus wachsender, mächtiger Ton war das, der da jetzt im Raum stand. Voll aufgeblasen. Sein Duft zirkulierte unmittelbar nach dem sich sein Schall vertschüsst hatte, in den Luftströmen des Gebläses und erreichte Ha. sehr bald. Noch mal: "Sau". Ich: "Ha., Du wiederholst Dich." He. hinter mir erwacht. "Saat´s es deppat. Spinnt´s. Wer woar´n de Sau." Ha.: "Der vurn do. Wer sunst." He. hatte die Schütterei noch nicht mitbekommen und kurbelte entrüstet das Fenster herunter. Das Gesicht voller Regenwasser. "Scheiße". Fenster wieder zu. Und so ging das dann drei Stunden lang bis nach Linz. Es schüttete in Strömen. Die Autos krochen auf der Autobahn mit sechzig, siebzig dahin. Habt Ihr sicher auch schon mal erlebt. Und vier Jungs, die gut zwei Kubikmeter Luft um die Wette markierten. Die Hölle auf Erden. Das Gebläse kommt kaum noch mit. Die Fenster beschlagen. Der Scheibenwischer auf Vollspeed. (Was ist das nun wieder? Sicher kein Fachbegriff. Eine versaulandte Wortmischung ist das. Trifft aber genau, was ich sagen will. Und als Schriftsteller hat man da so seine Freiheiten.) Aber nach einer Stunde gewöhnt man sich daran. Vier Duftnoten, die so nach und nach zusammen wachsen. Man lernt sich kennen. Freundschaften werden gefestigt. Zusammen betoniert auf immer und ewig. Was stinkt, das hält. Lieber verstinken, als ertrinken. Wie sagt doch der Volksmund: Dort, wo´s stinkt, do bleim ma! Oder: Lieber erstunken, als erfroren! Je nachdem. Also, was wollte ich Euch erzählen? Ach ja, wir sind wieder im Lokal. Ich schnappe mir also diese Kiste und packe sie aus. Schon sitzend. Beine gespreizt. Die Leute schauen blöd aus der Wäsche. Und ich tue ebenfalls voll auf blöd. Sehe niemanden mehr, bin schwerstens konzentriert. Wie mein kleiner Junge, der sieht auch nichts, wenn er in sein Spiel vertieft ist. Ich bewege auch meinen Kiefer immer so komisch. Mein Kleiner tut das natürlich nicht. Klar? Oder Klipp? So nach links unten zuckend. Ruckartig. Regelmäßig. Die Holzklötze fordern mein ganzes Gehirn. Alles, was halt noch so da ist, nach 25 Jahren "mäßiger" Sauftouren. Schön ein Stück über dem anderen. Haha. Ernstes Gesicht. Das Zucken. Alles schaut blöd. Die Gespräche an der Bar sind verebbt. Geiles Gefühl. (Mann, die Schulung "Ams-Klipp&Klar" trägt volle Wirkung. Wir haben gelernt, keine Sätze über fünfundzwanzig Wörter. Ich bin seit langem unter zehn. Schön langsam nähere ich mich dem Analphabetentum. Im Hirn läuft alles durcheinander. Die Windungen kreischen. Einer meiner längsten Sätze. Drei Worte. Zwei Worte. Hui! Ein Wort. Ich bin Spitze!) Aber jetzt plagt mich auch noch ein Schnackerl. (Zuhause am PC.) Scheiße. Hick. Die Margit denkt ganz intensiv an mich. Die sitzt jetzt mit meinem Brüderchen und Alvin im Calypso. Wäre ja gerne mitgegangen, aber ich hatte diese Geschichte im Kopf. Und was heiß ist und durch, soll man nicht anbrennen lassen. Hick. Also ließ ich mich zu Hause absetzen. Rufe Alvin am Handy im Calypso an und berichte. (Zwangspunkt. AMS-Klipp&Klar.) Dass ich wieder einmal einen Grenzgang wage und schon fünfeinhalb Seiten hinter mir habe. Wird besser wie Hirntod. Und das ist schon jenseits von Gut und Böse. Keine zehn Leute werden diese Geschichte verstanden haben. Und die hier versteht sowieso keiner mehr. Bukowski trifft voll auf Genet. So ist das eben im Leben. Entweder du bist hüben oder drüben. Beides geht nicht. Und ich war aber immer beides. Das kann keiner mehr nachvollziehen. Da rotieren die Hirnwindungen, die Blutgefäße kreischen, die Nervenenden versengen und versagen den Dienst. (Schon wieder Amtsdeutsch.) Also, ich sitze da so auf dem Boden, voll konzentriert. Und alles schaut. Blöd. Echt blöd. Keiner weiß, um was es geht. Nur Margit ist eingeweiht. Und die liegt auf der Bar und stirbt den teuflischen Lachtod. Es gibt keine schlimmere Art zu Sterben. Man ist überglücklich, alles tut schon weh. Man will aufhören. Die Wangenmuskeln sind zum Zerreißen angespannt. Sind das nicht gewöhnt. Die Bauchmuskeln auch nicht. Und man weiß, jetzt kommt der Tod. Das hält das Herz nicht mehr länger aus. Das ist das nämlich auch nicht gewöhnt. Man weiß, man stirbt jetzt. Lachen kann verdammt gefährlich sein, wir lachen ja viel zu selten. Das Ende kommt. Man ist zwar überglücklich. Ein schöner Tod. Schöner kann man nicht sterben. Aber man ist erst 18 und möchte noch ein wenig weiter leben. Und vielleicht so etwas noch einmal erleben. Mit diesem alten Deppen. Elf Steine übereinander hat er schon. Es wackelt schon. (Zwei mal "schon". Das ist zwar nicht Amtsdeutsch, aber sprachlich auch nicht ganz koscher. Vergesst mich!) Ich am Boden, ganz ernst und konzentriert. Der Wirt wird der Angelegenheit zugezogen. Er wird gebeten, den Sachverhalt zur Kenntnis zu nehmen. (Das ist wieder Amtsdeutsch. Unsere Trainerin von der Landesregierung Niederösterreich würde stolz auf mich sein, dass mir das gleich auffällt. Und lauter kurze Sätze. Und ich lerne dauernd dazu. Eben AMS-Klipp&Klar. Klar? Diese Trainerin, eine Germanistin, die war wirklich gut. War der unterhaltsamste Arbeitskreis, den ich bis jetzt beim AMS erlebt habe. Ich hoffe, die Herren bei der Niederösterreichischen Landesregierung wissen zu würdigen, was sie an dieser Frau haben.) Er (der Wirt) weiß auch nicht, was er machen soll. Mann, ich verschreibe mich dauernd. Voll drauf, zu. Echt ärgerlich. Bringt mich ein wenig aus dem Rhythmus. Mit zwei "h". Wieder ein Fehler. Der Wirt schaut auch so eigenartig, aber er tut nichts. Sehe ihn aus den Augenwinkeln. Das Kinn zuckt mit. Habe schließlich eine verdammt gute Zeche hinter mir. Und bezahlt habe ich auch schon mal dazwischen. Außerdem hat er Alvin und die Docteurs als Pfand. Und mein Brüderchen. Der Gerry, schaut auch nicht gerade arm aus. Kann nichts schief gehen. Aber es wird wohl ein Novum sein, in seinem Haus. (Zwangspunkt. Klipp&Klar?) Dass jemand, der über vierzig ist und bis jetzt gar nicht so undicht ausgesehen hat, mit seinen Holzbausteinen spielt. (Schachtelsatz. L.m. Der eine Satz muss drin sein. Wer ihn nicht kapiert, soll die Mücke machen.) Und das um zwei Uhr früh. Jetzt wird es schon acht. Er überlegt wahrscheinlich, ob er die grüne Minna holen soll. Oder sonst was? Aber ich sehe noch nicht gefährlich aus. Gutes Gefühl. Echt gutes Gefühl. Voll konzentriert. Der zwölfte Stein wackelt zwar, aber er hält. Zwischendurch fahre ich wieder eine Runde mit dem hölzernen Lastwagen um meinen Turm. Brm, brm. Der wächst. Margit lacht. Freut mich. Gefällt mir die Kleine. Leider um fünfundzwanzig magere Jährchen und mindestens tausend derartig gestorbener Lachtode und den dazu gehörenden Falten zu jung. Mit ihrem Dad bin ich in die Schule gegangen. Ein echtes Ekel, ein ewiger Stänkerer. Hat mit jedem aus Hörsching und Umgebung gerauft. Bin da keine Ausnahme. Der war echt raufgeil, wie man so sagt. Dabei hat er nie gewonnen. Konnte ich nie verstehen, warum der immer so aufs Keilen aus war. Hat immer Dresche bezogen. Auch der Luky hat den mal gerade gebogen. Schon wieder ne Hammergeschichte. Da wird sich sicher wieder wer aufregen. Bekomme manchmal so Mails, dass die Hammergeschichten niemanden interessieren würden. Mich auch nicht. Also zurück auf den Boden der Tatsachen. (Amtsdeutsch!) Nummer dreizehn hält. Noch. Dazwischen fährt der geile Sound von "Get back", von den Beatles. Lennons zwanzigster Todestag war diese Woche. Ein echter Feiertag. Allein für diese Nummer hat er sich verdient, dass ihn so ein Spinner einfach abgeknallt hat. Nicht, dass Ihr mich jetzt falsch versteht! Ich liebe Lennon! Aber so kann er in den besten Häusern im Rockhimmel aufspielen. Wer weiß, wo er sonst spielen müsste? Da kommt wieder mein Hang zum Überrealismus durch, den keiner versteht. Wo wollte ich eigentlich hin? Wie geht es weiter? Keine Ahnung. Habe den Faden verloren. Was wollte ich Euch erzählen? Ich verschreibe mich dauernd. Komme mir vor, wie ein Gitarrero, der dauernd ne zweite Saite schlampig mitklingen lässt. Saite mit "a". Werde Euch inzwischen eine andere Geschichte erzählen, bis mir die Eigentliche wieder einfällt. Ich habe da mit Luky die Alvin Lee Biographie geschrieben. Er saß beim Korrigieren neben mir. "Seiltanz auf 6 Seiten". Haben uns beide nichts dabei gedacht. Stelle es noch in der selben Nacht ins Netz. Am nächsten Tag schreibt er mir ein erregtes E-Mail. Er würde seinen Gitarreschülern ständig predigen, dass man "Gitarrensaite" mit "a" schreiben würde, und dann diese Schande. Er ein penibler Gitarrenlehrer. Und das auf seiner Homepage! Gitarrenseite mit "e". Schande o Schande! Und so etwas passiert in Zusammenarbeit mit einem Magister. Er meinte natürlich "Maggikanister". Habe ich natürlich gleich ausgebessert. Also vergesst es. Steht jetzt richtig dort, müsst nicht extra dort nachsehen. So eine Homepage verwalten, das kostet einen manchmal ganz schön Nerven, kann ich Euch sagen. Alles super. Keine Fehler. Echt. Dann schaust Du nach Wochen wieder mal ins Netz. Ein horrender Rechtschreibfehler. Dabei bin ich echt ne Koryphäe auf diesem Sektor. (Fremdwort! Gleich zwei.) Und dieser Rechtschreibfehler war zuvor sicher nicht da. Kann ich jederzeit wetten. Erstens habe ich das neue Rechtsschreibreform-Programm ständig zur Überwachung laufen. Zeigt jeden Fehler gleich beim Schreiben mit roten Wellenlinien an. Nicht zu Übersehen. Und zweitens, ich habe alles auf CD-Rom. Den absoluten Beweis. Und ich habe schon ewig nicht mehr auf dieser Seite gearbeitet. Aber irgendwo in dem Scheißcomputer sitzt ein bösartiges, mit keinem Virenprogramm auffindbares Heinzelmännchen, das seinen Schabernack mit mir treibt. Moment, ich muss mir wieder mal einen Van Nelle drehen. Zum Nachdenken. Brauche ich, sonst hätte ich schon längst mit dieser beschissenen Raucherei aufgehört. Wo war ich? Schluck. Mann, so ein gutes Kaffeetscherl um halb neun, und dazu ein Marmorkucherl vom geliebten Mamatschi ist schon was Feines. Das hält frisch und dumm. Eh, munter wollte ich sagen. Also, ich spiele da mit den Bausteinen. Fahre ab und zu mit dem Lastwagen eine Runde. Brrm, brrm. Alle schauen blöd. Auch der Wirt. Auf der Bühne erklingt "Knockin´ on Heaven´s Door". Dylan. In der Version (keine Fremdwörter, bitte) von Guns ´n´ Roses. Geile Gitarre im Mittelstück. Der alte Doktor kann es. Fehlt nur noch, dass die auch noch etwas von den Allman Brothers spielen. Dann stehe ich auf und gehe heim. Diese Band konnte ich jahrelang nicht mehr hören. Irgendwo im hintersten Winkel meines Herzens sitzt ein Stich Melancholie. Nummer vierzehn sitzt. Der Turm ist jetzt schon so hoch, wie meine Augen. Konzentrierter Blick. Ich vibriere von Gefühlen. Ich spüre sie alle ganz, ganz tief in mir. Ich kann ihre Blicke wie Nadeln fühlen. Und wie sie entgeistert schauen. Ich habe die ganze Bar im Griff. Ich bin der Meister. Ich muss wohl eine rare Attraktion sein. Ein 43jähriger B´suff auf dem Boden eines guten Speiserestaurants, in der Bar zwar, und er spielt mit Holzbausteinen Türmchen bauen und ab und an fährt er mit dem Lastwagen eine Runde um seinen Turm. Brrm, brrm. Ich habe das früher geliebt, wenn ich die Leute so vor den Kopf stoßen konnte. In so eine Situation bringen, wo sie nicht mehr weiter wissen. Wo alles gegen ihren Horizont läuft. Die Welt steht Kopf. Nichts ist mehr so, wie es sein müsste. Ihr müsst wissen, ich sehe ja wirklich ziemlich bieder aus. Kurze Haare, Brille. So ne richtige Beamtentype. Eine Naturkatastrophe, wenn du in dieser Haut steckst. Und so was sitzt da auf dem Boden einer Tanzfläche und spielt Türmchen bauen und macht brrm, brrm. Von so einem erwartet das Keiner. Bei dem tickt´s nicht ganz richtig. Oder? Sagt ja, und es ..... Endlich hört die Band auf zu spielen und erlöst mich. Pause. Schön langsam komme ich mir selber ein wenig komisch vor. Da unten auf dem Fußboden. Außerdem tut mir schon das Kreuz weh, das alte. Und mein ganzer organischer Kosmos vibriert vor inneren Lachstürmen und Verbergen derselben. (Hoffentlich hat diese Wortkombi auch jeder verstanden. Echt schwer. Mensch, für wie geistig unterbemittelt halten die Euch eigentlich alle?) Also packe ich die Spielsachen schön sauber wieder in die Kiste. Ich stehe auf, lächele alle an, wirklich alle, jeden einzeln der Reihe nach. Nicke die Leute also ganz brav und bieder der Reihe nach durch und setze mich wieder an die Bar. Dann überkommt es mich. Margit schaut mir tief in die Augen. In den ihren perlt es glänzend von den Tränen. Die Schminke ist leicht verwischt über einem Auge. Da lache ich befreit los. Und auf einmal brüllt alles. Irgendwie haben es wohl zuletzt doch noch alle geschnallt, um was es ging. Ihr auch? Nach den Ausbesserungs- und Einbindungsarbeiten (keine zusammen gesetzten Hauptwörter, bitte) ist es wieder einmal zwölf Uhr Mittag. Beim letzten Tschick hat es mich schon gereckt. Grrh, kommt von grauslich. Rauche ja sonst nicht so viel. Aber dieses verlängerte Wochenende hatte es wieder einmal in sich. Mir ist beim Aufstehen leicht schwindlig. Die Flasche Wein ist auch fast am Ende, so wie ich. Noch schnell gut lüften, Fenster ganz weit auf, während ich mir die Zahnderl noch putze. Gehört sich so. Alles andere zählt wirklich zu den Schweinderln. Ihr habt gerade gut sieben Stunden schwer in Giften erarbeitetes Vergnügen gelesen. Also ab in die Heia, und Tschüss. Keep on rockin´ bis zum nächsten Mal.
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