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The guitar is cryin´

ALVIN LEE-
Bio

and the Story of

TEN YEARS AFTER

Alvin + Chick jubeln Leo beim Solo zu

Die Schlüsselfigur von Ten Years After ist der Gitarrist, von dem die Englische Presse schreibt:
Seine Finger bewegen sich wie Blitze. Man sieht und hört sieben Gitarren auf einmal und seine Stimme, ob sie nun einen weißen Soulblues stöhnt oder einfach nur gerade heraus singt, passt genau zu seinem Spiel (Melody Maker).

Seiltanz auf 6 Saiten!

Eine Rockgeschichte von Luky Schrempf
(Für das Netz adaptiert von Lothar Krist)

1. Teil: Ten Years After
(bis 1974)

Angefangen hat alles in Robin Hoods Heimatstadt Nottingham, in welcher der kleine  ALVIN LEE am 19. Dezember 1944 unter seinem bürgerlichen Namen Graham Barnes das Licht der Welt erblickte. Die Barnes Familie gehörte selbst zu den lokalen Berühmtheiten, Vater, Mutter und die große Schwester traten als gefragte Country Folk Combo auf und brachten sogar einmal den leibhaftigen  BIG BILL BROONZY  von einem gemeinsamen Auftritt mit nach Hause. Dies war in den Fifties für jazz- und bluesbegeisterte Engländer  ungefähr so, als hätten Eure Eltern 1970 Jimi Hendrix ins Wohnzimmer geschleppt.

Die Eltern führten Alvin sehr früh an die Klarinette heran, der Sohn aber warf diese bald weit weg, insbesondere als ihm der amerikanische GI-Sender AFN, wie vielen anderen Boys & Girls in Great Britain auch, die Blues- und Rock `n´  Roll - Sounds von der Westseite des Atlantiks um die Ohren knallte. Außerdem besaßen Alvins Erzeuger eine umfangreiche Jazz & Blues - Schellacks- und -Vinyl-Kollektion, die auch Generationen übergreifend gehört wurde. Blitzschnell war aus dem blutjungen Racker an der E-Gitarre ein großes Gitarrentalent herangereift, er war wohl vom ersten Tag an mit diesem Instrument verwachsen. Mit 13 war der Knabe bereits derart versiert, um sich Erfahrungen in Top 40 - Bands wie Vince Marshall & the Square Caps und Alan Upton & the Jailbreakers zu holen und "oh heiliger Blueshimmel" er sogar einmal den besagten  BIG BILL BROONZY  bei einem Gig begleiten durfte.

1960 traf  ALVIN LEE  dann auf seinen bald langjährigen Partner  LEO LYONS, einen traumhaft guten Bassisten (geb. am 30.11.1943 in Stanbridge/Grafschaft Bedfordshire). Mitten im Pubertätsalter stießen die beiden auf ihre erste gemeinsame Band  "The ATOMITES". Weder Leo noch Alvin hatten damals Zutrauen zu ihren Stimmen, daher gab es bald einen eigenen Leadsänger. Es meldete sich Ivan Jay, aus dessen Nachnamen der Bandnamen kreiert wurde. Nach einigem Hin und Her wurde zuerst  "The Jayman", dann  "The Jaycats" und schlussendlich  "The Jaybirds". 1962 erspielten sich die Boys so etwas wie einen allerersten Durchbruch. Die Band war Szenegespräch und prompt wandelte man auf den Spuren der Beatles nach Hamburg in den Starclub. In der Hansestadt gefiel es den Britenjungs. Die Fans vermehrten sich rasch, der Jaybirds - Rock ´n´ Roll gefiel. Anfangs waren natürlich auch Nächte dabei, wo sie vom Publikum ausgepfiffen wurden, weil dieses ihre Jazz und Blues versponnene Spielweise noch nicht so recht kapieren wollte.

Das Rock ´n´ Roll - vernarrte Milieu in Hamburg, das Anschwellen der Fangemeinde, sowie die daraus resultierenden immer besseren Gagen, veranlassten ALVIN zu immer ekstatischerem Gitarrespiel. Leider wurde die Star Club - Zeit, immerhin fast vier Jahre, nie in Aufnahmen dokumentiert. Auf jeden Fall war diese Hamburg-Periode laut LEE ein unglaublich intensives Lernerlebnis, die Reeperbahn entwickelte sich damals zur enorm harten Acht-Stunden-Gig-Tretmühle.

Ric Lee on drums

Im August 1965 überredeten ALVIN und LEO den geschätzten Schlagzeuger RIC LEE ( geb. 20.10.1945 in Cannock/Grafenschaft Stafford Shire), der als Drummer in Mansfield begonnen hatte, ihren damaligen Trommler Dave Quickmore abzulösen. (Ric Lee ist weder der Bruder von Alvin Lee noch ist er sonst mit ihm verwandt! Dies zur Klarstellung!) Was nun folgte, war eine sprichwörtliche Ochsentour durch die Miniclubs und Pubs Nordenglands und der East Midlands. Nach einem Jahr wagte man den Weg ins absolute  Rock-Mekka ihrer Heimat, nach London.

Die Lee-Lyons-Formation verdiente sich ihre Miete durch die erstklassige Einspielung von Schlagerdemos und Werbejingles für den Southern Music Verlag. Danach nahm die Band am West End Musical in "Saturday Night & Sunday Morning" von Alan Silitoe teil. Was den Jaybirds jetzt noch zum letzten Kick fehlte, war ein professionelles Management. Sie wandten sich daher erfolgreich an  Chris Wright  von der "Chrysalis"-Agentur. Die Jungs spielten noch so nebenbei als Begleitband bei dem Beat/Surf-DUO  "The Ivy League". Diese hatten auch einen Roadmanager, der gleichzeitig auch der einzige Roadie war und man kam bald dahinter, dass er echt gut Piano und Hammond-Orgel spielen konnte.

CHICK CHURCHILL  ( geb. am 2.1.1949 im Waliser Städtchen Mold ) wurde von Kollegen als Wunderkind gepriesen. Die vier verstanden sich auf Anhieb, und einen Bandnamen fand  LEO beim Blättern in einem Rundfunkprogramm:  TEN YEARS AFTER  war geboren. Der Rest ist Geschichte. Über 40 Millionen verkaufter Tonträger.  TEN YEARS AFTER füllten die größten Hallen der Welt. TEN YEARS AFTER hatten bereits mit ihrer ersten Gig-Serie im Londoner Marquee-Club, einem Sceneclub und damals die erste Adresse mitten im Stadtteil Soho, einen fulminanten Start. Diese Auftritte wurden legendär, sie waren allesamt restlos ausverkauft. Hier werkte eine gnadenlose, über alle hinweg fegende, neue Band, dies sprach sich in London wie ein Lauffeuer herum und dann wollte einfach jeder ALVIN LEE'S rasendes Fingerworking, die wilden und doch swingenden Bassläufe LEO LYONS, die jazzig angehauchte Blues & Rock - Drum-Fusion von Ric Lee und CHICK CHURCHILLS willkommen abwechslungsreiche Hammond-Melodielinien bestaunen.

Ten Years After - Portable People - Single Ten Years After - Sounds - Single

Der Manager Chris Wright "leaste" TYA an das Plattenlabel "Deram", welche das Progressivlabel der alten Mutterfirma "Decca" war, welche die Boys vor drei Monaten noch in schnöder Manier abgelehnt hatte. Die erste daraufhin aufgenommene Single der Truppe, heute eine gesuchte Rarität, zeigte einen Soundtransfer. Psychedelic mit Hollies-Harmonien bei "Portable people". "Sounds" wartete bereits mit feinem Blues und einer Prise Hendrix auf.

Oktober 1967:

Ten Years After TYA - Backcover

Das transparente, ungekünstelte erste  "TEN YEARS AFTER" - Album präsentierte im Oktober 1967 alle Vorzüge dieser Band. Beschwingte Boogietitel, Slow Blues, wie z.B. das neunminütige "Help me (babe)" des schwarzen Blues-Ausnahmekönners Sonny Boy Williamson, welches von TYA in einer einzigen Studiosession aufgenommen wurde und aufgrund der softig dahinsprudelnden, dumpf hervor gehobenen Power-Bassläufe, über die Alvin seine quirligen Gitarrenphantasien legt, eine atmosphärisch-düstere Dunkelheit verbreitet. Es mag vom Text her vielleicht ein wenig sexistisch sein und deshalb feministisch unnachgiebig geprägte Frauen nicht gerade ansprechen, aber wie Alvin dieses machoide "You have to wash, you have to sew, you have to cook, ...... and if you can`t help me babe, I go on the other side of the street and found somebody else" brutal hinaus röhrt, ist schon einsame, Gänsehaut erzeugende Spitzenklasse.

Alvin Lee
Alvin Lee beim Solo in Help me -
absolute Extraklasse ...
Alvin Lee
... hier treibt er die tierischen
Bassläufe von Leo Lyons an ...
Alvin Lee
... und hier beim Solo von
I can´t keep from cryin´ ...

Oder das einfühlsame und extrem bluesjazzlastige "I can`t keep from crying, sometimes" oder spritziger Barrelhouse-Jazz. Alles kam so intensiv und heavy und doch irgendwie achselzuckend und einfach easy daher, wie man das bis dahin noch nicht gehört hatte. Alvins Fingerfertigkeiten beeindruckten in ihrer superschnellen und doch sensiblen Virtuosität. Allen wurde bewusst:  EVEN SPEEDFINGERS HAVE THE BLUES.  Chicks Orgelsolo in  "Adventures of a young organ"  zeigte Referenzklasse, hatte er doch seinerzeit noch die gleichen Rechte wie der Boss.

August 1968:

Ten Years After - Undead TYA - Undead

 

Den vier stillen und doch so Energie geladenen Musikern schien nun auch das Glück auf ihrer Seite zu stehen. Ein gewaltiges TEN YEARS AFTER - Gastspiel beim  7th National Jazz und Bluesfestival in Windsor  brachte ihnen vor 20.000 Zuschauern "Standing Ovations" und ihr Gig-Pensum wurde immer unheimlicher. Alvin und Freunde hatten kaum mehr Zeit für sich selbst, denn bis zum Jahre 1974 sollte die Band im Schnitt lediglich drei Wochen pro Jahr nicht "On the Road" sein. Auf jeden Fall landete  TYA   mit ihrem swingenden Kansas City Jump und dem zweiten, live und ungemein lebendig aufgenommenen Album  "UNDEAD"  (Klooks Kleek Club, Railway Hotel, Hampstead - 16.8.1968) in den Bestseller-Listen ("Spider in my web" und  "Woodchoppers Ball").

Ten Years After - I´m goin´ home

Das bewährte Bühnenset kochte bald auch auf Vinyl und schlug voll ein. Die kraftvolle Schlussnummer "I`m going home" wurde als Single ausgekoppelt, mit dem sensationellen Resultat der 3-monatigen Nr. 1-Position und einem halben Jahr in den internationalen Charts!

Die sagenumwobenen, oft mehr als vier Monate dauernden Mammut-Tourneen führten TEN YEARS AFTER ab 1968 quer durch die vereinigten, unendlich weiten und Rock & Blues - süchtigen Staaten von Amerika. Vom Fillmore West in San Francisco über Los(t) Angeles zum Fillmore East im New Yorker East Village ging die siebenwöchige erste Ochsentour, immer unter den Fittichen ihres integren US-Promoters  Bill Graham  und in illustrer Gesellschaft, wie den Staple Singers, Janis Joplin und Procol Harum.

Berührungsängste gab es nicht, denn TYA hatte niemanden zu fürchten. Lediglich von "echten" Jazzern wurde ALVIN anfangs wegen seiner überlichtschnellen Bluesläufe gehänselt, wohl weil deren vom alleinigen Cool-Jazz hören und deshalb schwer verstopften Ohrwindungen seinen Wizzardfingern nicht mehr folgen konnten, aber auch diese Kritiken verstummten rasch, als er im New Yorker Szene Club mit Jimmy Hendrix zum Jamfurioso auf die Bühne stieg und auch mit einer puristischen Jazzkoryphäe wie Larry Corryell die anwesenden Fans in feuerlodernden Grund und Boden spielte.

März 1969:

Ten Years After - Stonedhenge
TYA - Stonedhenge

Zurück in England erschien im März 1969 das zweite  TEN YEARS AFTER - Studioalbum:  "STONEDHENGE" , welches wiederum in die US Charts kam, in U.K. mit der beachtlichen Nummer sechs nur knapp die Top Five verfehlte. Diesmal experimentierte das Quartett zusehends mit eigenem Songmaterial, brachte Einlagen von Acidtrip getragenen, elektronischen Studiosounds und bizarren Klangcollagen (Rocklexikon), laut ALVIN dazu gedacht, die visuelle und physische Komponente zu ersetzen.

Höhepunkte waren der Train-Shuttle  "Speed kills"  (mit witzigen, quirrligen, ins linke und dann wieder ins rechte Ohrwaschel abgemixte Gitarrensolos), und natürlich auch  "Going to try",  mit genialen Tempi- und Stimmungswechseln und die Giftlerhymne "No Title".

Ein weiterer Durchbruch gelang den "Königen des weißen Blues" (Pop) auf den Sommer Open Airs. Beim New Port Jazz Festival in Rhode Island war ihre Performance ein beachtlicher Prestigeauftritt, denn normalerweise sind dort nur Jazz-Acts zugelassen. LEE wurde bereits zum zweiten Mal in den britischen Zeitungen zum Gitarrist des Jahres gewählt.

August 1969:

Leo Lyons at Fillmore East 1970

Dann folgte der legendäre  WOODSTOCK - Auftritt (15. - 17. August 1969) vor rund 400.000 Hippies, er brachte TEN YEARS AFTER die rockende Unsterblichkeit, durch in den Medien schier nie enden wollender Lobeshymnen nach der anschließenden Filmverwertung, denn der im Movie festgehaltene Song  "I`m goin` home"  war gespickt mit den unglaublichsten Gitarrefinessen des Alvin Lee, getragen von einem tempo bolzenden Groovefeuerwerk vom Bass & Drum der kongenialen Rythmusboys Leo & Ric.

Hatten die Woodstock-Besucher auch zu diesem TYA-Speedboogie "I`m goin` home" noch die Köpfe  bekifft gebangt, der Progressiv-Generation musste ALVIN LEE dennoch suspekt erscheinen. Der Gitarrenmeister schien sich auf der Bühne überhaupt nichts zu pfeifen, gerierte sich wie eine Greta Garbo der Rockmusik, brach niemals zusammen, erschien pünktlich zu jedem Gig der Endlos-Tourneen und er hatte auch keine besondere Philosophie zur Rettung der Menschheit anzubieten.

Chick Churchill on Hammond

Stattdessen bediente Alvin seine Gibson ES 335 so provokant schnell, dass ihm die letzten Kritiker nur noch prophylaktisch Oberflächlichkeit und Egozentrik vorwerfen konnten. Wie zur Bestätigung der Kritik ließ LEE nach Woodstock seinen Tastenkünstler CHICK CHURCHILL nur noch selten richtig zur Geltung kommen, obwohl der doch, wenn einmal im Soundbild zu identifizieren, ausgeschlafene Jazzlicks vorzuweisen hatte.

Geltung verschafften sich hingegen die Knaben der Rythmuscombo. RIC LEE schlug mehr als überzeugend die Brücke zwischen swingender Drumschool und Bluesrock-Solidität und LEO LYONS prügelte immer wieder mit wildem Körperschütteln Schwindel erregende Läufe aus dem Brett seines Fenders! Eine ganze Generation von jungen Nachwuchsbassisten versuchte verzweifelt seine eigenartig schiefe Haltung und auch seinen fetten, die Bauchwände sprengenden Sound nachzuahmen. Es gelang jedoch keinem. Ersteres aus gutem Grund: Leo Lyons hat einen kürzeren linken Fuß, seine Stellung ist also körperlich bedingt. Zweiteres deshalb, weil es bekanntlich immer nur einen geben kann.

Nach dem Ausrasten der Fans in Woodstock erreichte die Band Superstar-Status und ALVIN LEE wurde  "The fastest guitar in the west".  LEE brachte es Melody Maker - Reviews ein, in denen es unter anderem heißt: "Die Schlüsselfigur von TYA ist der Gitarrist, seine Finger bewegen sich wie Blitze, man sieht und hört sieben Gitarren auf einmal, und seine Stimme passt genau zu seinem Spiel. ALVIN LEE ist der Elvis Presley der Woodstock Generation, "Mr. Thousand Voices", der Mick Jagger der siebziger Jahre, und das Publikum habe bis um fünf Uhr morgens an seinen Lippen gehangen und "They would have stayed forever!" Wenn einmal die Geschichte des Rocks geschrieben wird, kann man TYA am besten beschreiben, als die urtypische, Massen begeisternde Guitar-Boogie-Shuffling-Rockband. Doch die Rockhistoriker werden noch ein wenig warten müssen. TEN YEARS AFTER schreiben sich ihr Kapitel selbst und es wird immer größer!"

Aber der PR-Höhepunkt der Band war für die Gruppe eher ein Abstieg. ALVIN: "Wir hatten doch schon vor Woodstock so großen Erfolg, als wir in den Fillmores spielten und auf der Boston Tea Party. Und ich mochte unser Image als Underground-Band! Nach dem Woodstock-Film waren wir plötzlich eine Stadion-Attraktion, man steckte uns in Eishockey-Arenen von 25 000 Leuten und die an ihren Lollies lutschenden Teenager horchten gar nicht richtig zu. So wurden wir desillusioniert!" ALVIN hing der Status Quo-hafte 08/15 Boogie bereits zum Hals heraus, kam sich vor wie eine "Travelling Jukebox" und das Resttrio war teilweise wirklich nur mehr das mechanische Uhrwerk der unendlichen "Ratschn &Tatschn" - Rythmen, mit den ewig gleichen Überschall-Attacken.

Aber die geschäftliche Maschinerie rollte besser denn je zuvor. TEN YEARS AFTER wurden zu einer der weltweit best bezahltesten Bands, absolvierten achtundzwanzig U.S.-Tourneen, bei denen ALVIN laut eigenen Angaben weder Ort noch Datum ihrer Stops wusste, wenn er sich auch sicherlich noch an die Gagenhöhen erinnert.

Juni 1969:

Ssssh + Cricklewood Green 24 Karat Gold Plated

Im Juni 1969 gelang als perfekter Woodstock-Überflieger das Studioalbum  "SSSSH"  (steht für  Shit ), der endgültig allerletzte Durchbruch. Top 4 in England und Top 20 im US-Billboard bedeuteten jetzt Champions-League. Auf diesem Megaseller ließen TYA erstmals auch das vom Publikum immer wieder geforderte Schlachtross "Good morning little schoolgirl", sowie den Live-Gassenhauer "I woke up this morning" über die Bühne traben.

"SSSSH" war in seiner Gesamtheit ein bestens gelungenes Werk! Eine meiner Lieblingsnummern darauf:  "The Stomp", ein dahinrollendes und stampfendes Etwas von Musik, das man zu Recht auch mit "Fick" übersetzen könnte. Und wer Alvin Lee früher einmal live gesehen hat, der weiß bis heute, was die "red one" für Alvin war: his fuckmachine.

27. und 28. Februar 1970:

Ten Years After spielten vom 26. - 28. Februar 3 (drei) Gigs vor jeweils ausverkauftem Haus im Fillmore East. Eröffnet wurden das Konzert am 26. von John Hammond und Zephyr (mit Tommy Bolin) und am 27. und 28. von John Hammond und Doug Kershow. Die Konzerte vom 27. und 28. wurden aufgezeichnet und finden sich jetzt auf der 2001 erschienenen Doppel-CD "Ten Years After live at the Fillmore East". Für mich das beste Live-Album aller Zeiten.

Ten Years After Live at the Fillmore East (27. and 28.2.1970) TYA - Fillmore East 1970  

April 1970:

Dem Top-Studioalbum "Ssssh" folgte, was damals kaum jemand glauben mochte, das noch bessere Nachfolgewerk  "CRICKLEWOOD GREEN", das sich in England (Nr. 4) sieben Monate in den Charts hielt und auch in Amerika wieder weit nach vorne kam.

TEN YEARS AFTER war in aller Munde und überall zugegen, unter anderem am Jazzfestival in Montreux, auf der Boston Tea Party (15. - 17.6.1970), im Fillmore East, New York (24. - 25.6.1970),  auf dem 2. Atlanta International Pop Festival Gainesville, Georgia (5.7.1970), im Fillmore West, San Francisco (28. - 30.7.1970), beim Strawberry Fields Festival, Toronto, Canada (9.8.1970), auf dem riesigen Isle of Wight Festival (30.8.1970), beim Love and Peace Festival auf der Insel Fehmarn, Germany (6.9.1970), im Olympia in Paris (27.10.1970), und vielen, vielen anderen Konzertorten der Welt. Sie spielten 3 - 4 Mal in der Woche, immer vor ausverkauftem Haus, oft an einem Tag irgendwo in den USA und am übernächsten schon in England, Deutschland, Belgien oder sonst wo. Außerdem folgte eine Einladung in den Madison Square Garden, New York (13.11.1970), wo TYA als erste Band nach den Rolling Stones, vor 20.000 Menschen im ausverkauften Auditorium die Halle überkochen ließen. Laut Sounds "agierte TYA mit ungebremster Dynamik und Spielwut..." Boogie-Woogie, Rock `n´ Roll und Rythm & Blues harmonierten perfekt mit Jazz und vermittelten ein eigenständiges Soundprofil (Rockmusik Lexikon).

Ten Years After - Love like a man Im Mai 1970 gab es dann noch den Single Hit "Love like a man", ausgekoppelt aus der erfolgreichen LP  "CRICKLEWOOD GREEN".  Der entspannte, aber unvergessliche  Simple-Riff  wurde zu einem braven Nachspielstück für Schülerbands, zeitlos auf ewig, ohne allerdings das irre Gitarrensolo im Mittelteil mit einzubeziehen, denn dieses gilt bis heute in seiner Originalität nur ansatzweise als kopierbar!

Dezember 1970:

Zum Jahresausklang 1970 spielten  TEN YEARS AFTER  bereits ihren 4. Longplayer (insgesamt den 6.) innerhalb von zwei Jahren ein. Highlights auf "WATT" waren die beiden blueslastigen Balladen "Think about the times" und "My Baby left me", sowie die angejazzten Rockrunner "I say yeah" und "Gonna run""WATT" entwickelte sich wenig überraschend zu einer gut verkaufbaren Bluesrock-Leistung und war in den vorderen Rängen Amerikas und England vertreten, Germany war sowieso total TYA- begeistert, davon zeigten nicht zuletzt die ausverkauften Hallen und immense Plattenverkäufe mit Spitzenplatzierungen. TEN YEARS AFTER voller Saft und Kraft! (Bravo).

Ten Years After - Watt TYA - Watt

Ungerührt dessen zog die TEN YEARS AFTER - Rock ´n´ Roll & Blues - Caravane weiter. Tournee auf Tournee. ALVIN LEE begann immer mehr Macht und Einfluss an sich zu reißen, Streit in den "dressing rooms" gehörte zur Tagesordnung, nach endlosen Konzerten durch Amerika, Europa und Japan war man mit den Nerven völlig fertig, aber der Rubel rollte! (Bravo). Durch England hingegen waren die Rockblueser seit 18 Monaten nicht mehr getourt, dies wurde Anfang 1971 nachgeholt. Ausgiebig und erfolgreichst wie immer, mit einer damals noch unbekannten, neuen Band Namens "Uriah Heep" im Vorprogramm. Die Band lebte damals so nach dem Motto: Man muss die Kuh melken, so lange sie Milch gibt.

Oktober 1971:

Ten Years After - A Space in Time

Deshalb ging man nach der Englandtournee sofort wieder ins Studio und nahm das meiner Meinung nach bis dato beste und 7. Album auf:  "A SPACE IN TIME" , ein wahres Kunstwerk, jede einzelne Nummer ein Highlight des absoluten Hörgenusses. Für mich zählt es zu den Top 10 aller jemals veröffentlichter Longplayer samt CD`s. Die Gruppe zeigte überzeugende Alternativen zur Bluesrock - Formel,  ALVIN LEE lieferte bestes Songmaterial, sang differenzierter als bei seinen nasal gepressten, vergangenen Shouter-Vehikeln und setzte für schöne Melodieeinfälle zumeist akustische Gitarren ein,  CHICK CHURCHILL steuerte Synthesizer-Experimente bei, er hatte sich wieder durchgesetzt, und die beiden zogen kurz und inspiriert bei  "Uncle Jam"  alle Swingregister, von RIC und LEO tatkräftigst unterstützt.

TYA - a space in time

Die zarte, eingängige Nummer  "I`d love to change the world"  wurde ein US-Single-Top 40-Hit (9/71), der das Popularitätspendel endgültig über den Atlantik schlagen ließ.  TEN YEARS AFTER  arbeiteten bei  "A SPACE IN TIME"  mit allerlei (zur damaligen Zeit sehr futuristisch anmutenden) Soundtricks  (One of these days), Verfremdungen  (Here they come)  und Effekten  (Let the sky fall)  und füllten den Raum zwischen Blues und Jazz mit schnellen, leichten, aber nicht leichtgewichtigen Attitüden (Encyclopedia of Rock) und betonten dabei immer wieder die Hardrock-Komponente. Die Fans rund um den Erdball waren begeistert und so wurde  "A SPACE IN TIME"  die erfolgreichste Visitenkarte der einstigen Underground-Band.  TEN YEARS AFTER  hatte nun ein Platinalbum!

Im Jänner 1972 erblickte die Single "Baby won´t you let me rock & roll you" (B-Seite: Once there was a time) die Welt. Und die Unendlich-Touren gingen weiter.

"A SPACE IN TIME"  war das TYA-Debut für das neu gegründete  "Chrysalis" - Label ihres Agenten Chris Wright und des Jethro Tull - Managers Terry Ellis. Für die U.S.A. handelten Wright und LEE einen Kontrakt mit dem Popzar Clive Davis bei Columbia/CBS aus.

Alvin Lee & Company

Das geprellte Ex-Label Decca/ Deram rächte sich mit einer Zusammenstellung alter, unveröffentlichter Studioaufnahmen aus der Stonedhenge-Zeit:  "ALVIN LEE  COMPANY"  (US Nr.55). Von diesen bestimmt nicht schlechten, aber ungewollt veröffentlichten Aufnahmen hat sich TYA deutlich distanziert. Auf diesem Album fanden sich auch die beiden Tracks der 1. TYA-Single vom Februar 1968 (Sounds & Portable People).

März 1972:

Alvin Lee & Company

Juni 1972:

Aufnahme der Songs zu Rock & Roll Music to the world.

Ten Years After - Rock ´n´ Roll Musik to the world  

Die Gruppe festigte mit dem im Juni 1972 entstandenen Longplayer  "ROCK 'N ROLL MUSIC TO THE WORLD", veröffentlicht im Oktober 1972, Stil konsolidierend und brillant aufgenommen, ihren damaligen musikalischen Standort. Pulsierender Rock & Roll dominierte mit den beiden herausragenden Tracks  "Standing at the station"  und  "You give me loving",  sowie der wunderbar  "mellow"  eingespielten Softballade  "Religion" (die absolute Hör-Geilheit).  Die die Band Status Quo parodierende Single  "Choo choo moma"  befand sich wieder wochenlang in den US-Top 100.

You can´t win them all - Platz 3 in Deutschland TYA - R&R Music to the world Rock & Roll Music to the world - Platz 4 in Deutschland

Die Single-Auskoppelung "You can´t win them all" schaffte es bis auf Platz 3 der Deutschen Charts, die LP auf Platz 4.

Juni 1973:

Ten Years After - Recorded Live

1973 bewies man mit dem Doppelalbum "RECORDED LIVE", dass die Woodstock-Stars um "Captain Speedfinger"  professionell genug waren, um die bereits von den zahlreichen Welttourneen ermüdeten Saiten, Tasten und Felle nicht schleifen zu lassen. "Denn TYA sind verdammt gute Handwerker, spielen sauber und perfekt" (Bravo). "Einfühlsames Orgelspiel verbindet sich mit massiven Basslinien und leidenschaftlichem Schlagzeugspiel zu  ALVINS  unglaublicher Gitarrenarbeit" (POP). So wurde "RECORDED LIVE" ein "All Time Rock -  Klassiker" unter allen Alben dieses Genres, das beste Live-Dokument der Gruppe, welches auch heute noch mitreißt. (Nun, nach Veröffentlichung der Doppel-CD von den beiden Konzerten im Fillmore East vom 27. und 28. Februar 1970 streiten sich da natürlich die Fan-Geister!) Wer auf seine Plattensammlung stolz sein wollte, der hatte jedenfalls dieses Album in seiner Plattensammlung, und das gilt auch heute noch, denke ich.

In den aufgezeichneten Live-Konzerten zeigten sich TYA nicht nur mit wahnsinniger Spielfreude, sondern auch als swingende, rockende, groovende und wirklich modern agierende Bluesrock Band mit Entertainerqualitäten. Ein großartiges Album, dessen gitarristische Qualitäten ALVIN LEE eigentlich später nie wieder überbieten konnte. Das hier zu erlebende Niveau von Songwriting und Arrangements hat er seither nie wieder erreicht (Gitarre & Bassmagazin).

Dieses Vermächtnis, mit eindeutiger Stildefinition des Bluesrock, war mit den Chartplätzen England Nr. 26, U.S.A. Nr. 36, sowie Deutschland Nr. 10 auch nicht schlecht gelaufen. Und das zu einer Zeit, als der Disco gerade die Massen zu bewegen begann und mit einem Album, bei dessen Gitarrenlastigkeit und Speedfingerfertigkeit selbst versierte Gitarristen geistig ausgestiegen sind. Ich habe damals immer behauptet und tue dies auch heute noch, ein Rockgitarrist, der nicht auf Alvin Lee steht, steht nur deshalb nicht auf ihn, weil ihn der Neid frisst.

Und der TEN YEARS AFTER - Tourtross zog unaufhörlich weiter: durch Amerika und Japan, wo sie schon seit einiger Zeit zur erfolgreichsten Rockband neben Led Zeppelin und Deep Purple  gehörten. Dennoch zeigten spätestens ab diesem Zeitpunkt die Rockheroen deutliche Ermüdungserscheinungen. ALVIN LEE gab in einem Melody Maker - Interview im Sommer zu, die Situation seiner Band zu überdenken. "We have become directionless, we have got into a rot"!

Da sich die TYA-Musiker auch sonst bereits kräftig gegenseitig auf den Wecker gingen, wobei es immer wieder zu Differenzen der drei gegen ALVIN kam, ging der Topgitarrist in der zweiten Jahreshälfte auf Bandurlaub und widmete sich seinen

Soloprojekten.

Auch die anderen drei, also Leo Lyons, Chick Churchill und Ric Lee ließen sich da nicht lumpen und haben einiges zu bieten.

Februar 1974:

Ten Years After - Positive Vibrations TYA - Positive Vibrations

Aber noch vor weiteren Aktivitäten von ALVIN LEE & CO. nahm TYA, Profis, die sie waren, im Februar 1974 das vertraglich vereinbarte Abschiedsalbum "POSITIVE  VIBRATIONS" auf. Als Ergebnis lieferten sie erstaunlicherweise genau das: Positive Vibrationen. Diese Longrille rockte noch einmal elektrisierend und in einer gefühlvollen Zurückhaltung, die TEN YEARS AFTER stets so eigen war und die ihr Markenzeichen für warmen Bluesrock wurde. "POSITIVE VIBRATIONS" streifte in den U.S.A. die Top 100 und hatte mit  "It`s getting harder"  innovativen, zukunftsweisenden Rock-Funk-Blues zu bieten und  "Nowhere to run" offerierte ganz deutlich, welch guter Gitarrist ALVIN LEE immer noch war. (Musik Express).

Prompt folgte das sprichwörtlich unvermeidliche Angebot, bei dem ein Nein sagen so schwer fällt. 40 lukrative U.S.A. - Konzerte mit TEN YEARS AFTER! Obwohl TYA bereits am 22.3.1974 im Wochen zuvor ausverkauften Londoner Rainbow ihre Live-Aktivitäten für beendet erklärt hatten und trotz einer offiziellen Trennungsmeldung der Legende auf den Titelseiten vieler Fachzeitschriften, wurde diese angeblich letzte Mammuttournee während des Sommers 1975 absolviert: ihre 28. innerhalb von 8 Jahren (1968 - 1975)!!!

Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. 28 Tourneen, innerhalb von nicht ganz 8 Jahren, und jede über mehrere Wochen, ja manch eine sogar über mehrere Monate lang. Das soll ihnen erst einmal jemand nachmachen. Und sie haben dabei immer ihr Bestes gegeben. Ich habe Alvin in den verschiedenen Formationen spielen gesehen (weit über 100 Gigs), und kein schlechtes Konzert erlebt. Die besten Gigs gaben sie oft, wenn man die Band vor dem Konzert gesehen hat und vermeinte, das wird heute sicher ein Desaster. Wenn die Anlage verrückt spielte, das Licht ausfiel, die Band nichts geschlafen hatte, weil man von weit her angereist war, das Flugzeug 24 Stunden verspätet erst im allerletzten Augenblick ankam, usw. Gerade da spielten sie sich dann die Wut aus dem Leib. Andere Musiker wären da nicht einmal auf die Bühne gegangen, ich habe es erlebt. TYA stand immer für Ehrlichkeit und Liebe zur Musik und ihren Fans.

Nach dieser Amerikatournee folgte Alvins lapidarer Abschiedskommentar im Melody Maker und New Musical Express: "TEN YEARS AFTER waren, musikalisch gesehen, nie eine großartige Band (was meiner Meinung nach ein absoluter Blödsinn, ein kräftiges Understatement ist), aber sie hatten Energie und als diese Energie weg war, blieb nur noch eine erfolgreiche Schale, ohne (weiterhin andauernden innovativen) Inhalt."

Ich kann diese seine Worte nicht wirklich nachvollziehen, siehe u.a. oben. Es ist nun einmal so, dass die Fans die alten Hadern hören wollen, immer und immer wieder. Da wird ein Musiker eben zur Musikbox. Aber so ist das Leben. Gerade da beweist sich, was ein echter Musikhaudegen ist. Immer sein Bestes geben, auch wenn man selber angefressen ist, auch von dem, was man da gerade spielen muss. TYA hat die Musikgeschichte des 20. Jahrhundert prägend mitgestaltet. Viele Sounds, die man heute so hört, stammen aus der ursprünglichen Feder von TYA. Manchmal ist es nur ein einfacher Fingerlick, ein versteckter Triller oder ein paar Melodiefetzen aus einem ihrer Songs, z.B. aus "Love like a man". Dieses berühmte Riff hört man leicht verändert, mal eine grad und eine verkehrt, oder leicht gestreckt und vom satten Sound her abgespeckt aus x Hits heraus. Meiner Meinung nach hat ALVIN LEE nur einen einzigen Fehler in seinem Leben gemacht:

Er ist nicht gestorben, wie die großen 3 "J`s" und diverse andere.

Nun aber auf zu den

Soloprojekten

©  Copyright bei Lothar Krist und Luky Schrempf

 

Alvin Lee Bio

Von: HRS28TYA@aol.com [mailto:HRS28TYA@aol.com]
Gesendet am: Freitag, 23. März 2001 00:15
An: Schrempf@posthof.at
Betreff: Re: Tourdates

Hi Luky, thanks very much for the tour dates!!  My "Alvin Lee & Ten
Years After - Visual History"
book goes to the printer next week.  I will
send free copies for you and Lothar as soon as it is available.  I hope
there will be some other Lee fans in Austria and Germany who will buy this
book.
Keep Rockin' & Best Regards,
Herb

Wer Interesse hat, kann das Buch direkt beim Autor Herb Staehr bestellen
(siehe E-Mail-Adresse oben).

Links to other Alvin Lee - & TYA -Sites:

http://home.t-online.de/home/TStrube/TYA.htm

Japan Goin´ home - Izumi Tada´s Alvin Lee & TYA Homepage

http://ourworld.cs.com/_ht_a/tyadlm/

http://www.musicsearch.com/sotd/bin/vote.cgi?id=381504221